Von Reinhard Lask

„Auf die Freundschaft!“ Kein Satz fiel öfter beim Festabend im Hotel Molkenkur zum 20-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Heidelberg und dem ukrainischen Simferopol. Am Samstag hielten die Oberbürgermeister Eckart Würzner und Viktor Nikolajewitsch Ageyev Rückschau und Ausblick.

20 Jahre gelebte Partnerschaft zwischen Heidelberg und Simferopol wurden auf der Molkenkur gefeiert. Foto: Wenk

die Ursprünge der Städtepartnerschaft sind älter als 20 Jahre. „Gemeinsam mit Schülern fuhren wir Mitte der 80er Jahre Auf eine Friedensdemonstration in Bonn“, erinnert sich Lehrerin Bärbel Mattauch. die Angst vor den gerade stationierten Atomraketen in Ost- und West-Deutschland war damals allgegenwärtig. „die Schüler wollten Kontakt mit den Bürgern in der UdSSR Aufzunehmen.“ Da die Politik keine Entspannung erreichte, wollten sie es selbst versuchen. Doch die Idee, BriefFreundschaften Aufzubauen, erwies sich als schwierig.

Erste Kontakte zur sowjetischen Botschaft 1985 verliefen „vorsichtig“. Adressen gab es erst einmal nicht. Es sollte noch zwei Jahre dauern, bis 1987 die ersten Heidelberger Auf die Schwarzmeerhalbinsel Krim reisen durften. Auch Hannelore Jochum, damals SPD-Vorsitzende im Gemeinderat, war dabei. Mehrere Heidelberger Initiativen und einzelne Bürger hätten damals zugleich eine Städtepartnerschaft im Sinn gehabt. Das Vorbild war die Stadt Saarbrücken, die seit 1975 mit Tiflis befreundet war. „Wir wollten die Hand der Freundschaft nicht nur nach Frankreich oder Israel ausstrecken, sondern auch nach Osten.“ Nachdem Gorbatschow an die Macht kam, wurde vieles einfacher. 1989 gab es den ersten Besuch aus Simferopol, 1990 die erste Schulpartnerschaft. 1991 folgte die letzte Unterschrift unter den Partnerschaftsvertrag.

Auch wenn der „Eiserne Vorhang“ gefallen war, blieb die Partnerschaft ein Abenteuer. Magdalena Melter, Vorsitzende des Freundeskreises Heidelberg-Simferopol, erinnert sich an eine spektakuläre Hilfsaktion 1991. „Im August transportierte ich dringend benötigte 7000 Nadeln für Bluttransfusionsbestecke nach Simferopol.“ Auf dem Rückweg nahm sie Kunstwerke mit, die für Ausstellungen in Heidelberg bestimmt waren. In Odessa räumten diebe das Auto aus – bis Auf die Kunstwerke. Als Melter den diebstahl meldete, hielt die Polizei sie für eine Kunstschmugglerin. „Erst ein Anruf des Polizeichefs von Simferopol klärte die Sache“, berichtet sie.

„In 20 Jahre haben wir viele Brücken zwischen Menschen Aufgebaut“, resümiert Würzner den regen Austausch Auf allen Ebenen. „Unsere Freundschaft ist in den vergangenen Jahren immer fester geworden“, stimmt ihm Ageyev zu.

In den vergangenen Tagen verhandelten die Bürgermeister, wie sich die Partnerschaft entwickeln soll. So soll der Jugendaustausch und die technologische Zusammenarbeit – gerade bei modernen Energiekonzepten – verstärkt werden. „die Krim eignet sich hervorragend für Geothermie und Windkraftanlagen“, sagt Gert Weddigen, Physikochemiker und im Freundeskreisvorstand für Kultur und Wissenschaft zuständig. „Es gibt bereits erste Projekte zur Umwandlung von Biomasse in Treibstoff.“

Vorstandskollege Gerd Guntermann knüpfte im Sommer Kontakte mit der Umweltorganisation „Ecologia Mir“ vor Ort. Das erste Projekt besteht aus einer Broschüre, die Tipps in deutscher und russischer Sprache enthält, um im Haushalt Umweltverschmutzung zu vermeiden und Energie zu sparen.

Unter den ukrainischen Gästen befanden sich Natalya Fjodorovna Malenko, die Vorsitzende des Stadtteils Kijewskij Rayon, die die Entwicklung der Stadtteil-Partnerschaft zwischen Handschuhsheim und Kijewskij Rayon unterstützt, sowie zahlreiche Abgeordnete des dortigen Stadtrates.

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