Ukrainischer Fotograf Alexander Kadnikov eröffnet Ausstellung über die Heidelberger Partnerstadt Simferopol 

Von Maria Fiedler

Alte Frauen, die sich mit Schnaps zuprosten, Kriegsveteranen und ärmliche Hütten: Die Motive der Ausstellung „Impressionen aus der Partnerstadt Simferopol“ zeigen alles andere als die typischen Krim-Klischees. Die Aufnahmen des ukrainischen Künstlers Alexander Kadnikov sind ein „Mosaik der Realität“, wie er sagt. Am Montagabend wurde die Ausstellung im Foyer des Heidelberger Rathauses eröffnet.

Es ist eine Ausstellung der Gegensätze und der Gemeinsamkeiten. Einige Bilder zeigen die Schere zwischen Arm und Reich auf der Halbinsel Krim, andere Aufnahmen könnten auch in einem beliebigen Land Westeuropas aufgenommen worden sein. So zum Beispiel das Motiv eines Rummelplatzes mit Jugendlichen in einem Fahrgeschäft. Im Gedächtnis bleibt aber auch eine Aufnahme, die Schülerinnen in kurzen Röcken zeigt. Die jungen Mädchen legen die Hand aufs Herz, wie als sängen sie eine Hymne – ihre Köpfe sind jedoch nicht auf dem Bild. Auch die Geschichte der Stadt in der ehemaligen Sowjetunion spiegelt sich in den Bildern wieder. Es gibt Aufnahmen, auf denen alte Männer in Militäruniformen zu sehen sind, die die Oktoberrevolution feiern. Oder ein Bild der Feierlichkeiten am 9. Mai – dem Tag, an dem sich der Sieg über Nazi-Deutschland jährt.

Kadnikov, der sich selbst als „bissigen“ Fotograf bezeichnet, wurde in Simferopol geboren und wohnt noch heute dort. Seine Arbeit hat ihn schon rund um die Welt geführt, doch seine Ausstellungen zeigt er meist in den Städten seines Heimatlandes. Die erste fand im Jahr 1988 in Simferopol statt. Sie wurde am zweiten Tag geschlossen, da sie als sowjetkritisch galt. „Wir hatten die Obrigkeit übergangen und ihnen nur die neutralen Fotografien der Ausstellung gezeigt“, erzählt Kadnikov. Seine sozialkritische Fotografie führte er trotz dieses Rückschlags noch einige Jahre fort, bis ihm die Motive zu bedrückend wurden. Lange widmete er sich nur noch der Natur. Heute sind wieder Menschen auf seinen Bildern zu sehen, doch ihm liege mittlerweile auch der künstlerische Aspekt seiner Fotografien am Herzen, erzählt Kadnikov.

Für den Künstler war es nicht ohne Weiteres möglich, zur Eröffnung seiner Ausstellung nach Deutschland zu kommen. Ein Visum und Referenzen aus der Bundesrepublik waren nötig, damit sein Aufenthalt genehmigt wurde. „Vielen von Alexanders Landsleuten bleibt eine Reise nach Deutschland verwehrt“, erzählt Gerd Guntermann, zweiter Vorsitzender des Freundeskreises Heidelberg-Simferopol, durch den die Ausstellung organisiert wurde.

Da der Besuch in Deutschland für viele Menschen aus Simferopol nicht möglich ist, wird es nicht bei der Heidelberger Ausstellung bleiben. Während seines Besuchs machte sich Kadnikov auf die Suche nach interessanten Motiven und wird seine Aufnahmen in Simferopol ausstellen, sodass sich die Menschen dort einen Eindruck von ihrer Partnerstadt machen können. Dabei hat der Künstler Bilder von Wahrzeichen Heidelbergs wie der Alten Brücke im Gepäck. Doch Kadnikov will die Schattenseiten Heidelbergs nicht verschweigen: Auch die Obdachlosen unter der Montpellierbrücke hat er fotografiert. Eines seiner Lieblingsmotive ist jedoch das Fahrradmeer am Hauptbahnhof – so etwas hat er noch nie gesehen. In Simferopol gibt es nämlich so gut wie keine Fahrräder.

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