Ärzte, Krankenschwestern und ein Medizintechniker hospitierten eine Woche in Simferopol

von Johanna Mitschke

Der Projektor summt leise, während er die Bildershow an die weiße Wand der Galerie Melnikow projiziert. Dann erzählt das Ärzteteam des Freundeskreises Simferopol von seiner Reise in die Kinderklinik der Heidelberger Partnerstadt auf der ukrainischen Halbinsel Krim.

„Ich wusste gar nicht, was mich in Simferopol erwarten würde“, berichtet der Kinder-Radiologe Jens Peter Schenk. Eine Woche lang hospitierte er mit fünf Kollegen an der Kinderklinik der Partnerstadt. Es ist ein Projekt des Freundeskreises Simferopol, das durch die Zusammenarbeit mit der Universitäts-Kinderklinik und dem Gesundheitsministerium erstmals auf diese Art zustande kam.

Die drei Ärzte, zwei leitende Krankenschwestern und der Medizintechniker wurden freudig vom Leiter der Kinderklinik in Simferopol begrüßt und erhielten das Programm für die kommenden sieben Tage: Hospitationen auf den Stationen und eine Konferenz mit den Kinderärzten der autonomen Halbinsel Krim. Die ukrainischen Ärzte und Pflegekräfte freuten sich darauf, von ihren deutschen Arbeitskollegen viel Neues hören und lernen zu können. Auf der Konferenz hielten die deutschen Ärzte Vorträge und tauschten sich mit ihren Kollegen von der Krim aus.

Der Kinder-Radiologe Jens Peter Schenk erklärte seinen ukrainischen Kollegen den Umgang mit tragbaren Ultraschallgeräten. Foto: RNZ

„Die Ärzte arbeiten auf hohem Niveau und leisten viel, mit dem was sie haben“, berichtet Oberarzt Dr. Thomas Müller von seinem ersten Eindruck. Der Narkosearzt besuchte den OP-Saal und die Intensivstation der Kinderklinik und war vor allem positiv überrascht vom Umgang der Ärzte mit den Kindern und den hohen Hygienestandards. Letzteres betonte auch der Kinderkardiologe Wolfgang Springer: „Die OP-Säle waren blank geputzt.“ Und die stellvertretende Pflegedienstleitung Doris Verveur erzählt, dass sie förmlich „gelöchert worden“ sei mit Fragen zum Thema „Hygiene im Krankenhaus“ Die Wissbegierde der ukrainischen Ärzte sei riesig, allerdings fehle es in der Kinderklinik vor allem an neuen Geräten.

Mit der Ankunft des Heidelberger Ärzteteams jedoch erreichten auch zwei Transporter die ukrainische Partnerstadt, die mit medizinischem Gerät beladen waren, das auf Initiative des Freundeskreises und der Heidelberger Kinderklinik gespendet wurde. Der Medizintechniker Markus Engel sorgte für den Transport, die Installation und vor allem die Einführung in die Handhabung der Geräte. Während seiner Hospitation half er auch bei Reparaturen: „Oft stellte sich dabei ein Benutzerfehler heraus. Aber es gibt keinen Techniker mit medizinischer Ausbildung in der Klinik, der sich mit den Geräten auskennt“, erklärt der Medizintechniker die Problematik.

Der Radiologe Schenk fand sich während seiner Hospitation plötzlich alleine unter seinen ukrainischen Kollegen auf der Intensivstation wieder – und keine Übersetzerin in Sicht. Doch wie Schenk dem Freundeskreis berichtet, seien „die Ärzte sehr interessiert“, sodass die Verständigung unter den Medizinern trotzdem problemlos funktioniert habe. Schenk erklärte den ukrainischen Ärzten den Umgang mit modernen tragbaren Ultraschallgeräten, die auf der Station schon vorhanden waren, aber bisher kaum genutzt wurden. „Man hat gemerkt,
dass die Mediziner ihre Chance erkannt haben und ein Maximum an Informationen aus unserem Besuch in Simferopol mitnehmen wollten“, sagt Schenk.

Galerie Melnikow

Sie berichteten in der Galerie Melnikow von ihrem Besuch auf der Krim (von links): Eva Rösch, Dr. Jens Peter Schenk, Doris Verveur, Magdalena Melter, Dr. Wolfgang Springer, Markus Engel und Dr. Thomas Müller. Foto: Friederike Hentschel

Magdalena Melter, die Vorsitzende des Freundeskreises Heidelberg-Simferopol, freut sich, dass „der Austausch nun zum ersten Mal mit einem Gegenbesuch deutscher Ärzte erwidert werden konnte und ein großer Erfolg war.“ Bisher waren immer nur Mediziner aus Simferopol nach Heidelberg gekommen. Und neben dem wissenschaftlichen Austausch habe es auch Zeit gegeben, die ukrainischen Kollegen und die lokale Kultur kennenzulernen. Alle hoffen nun, ihre ukrainischen Kollegen bald in Heidelberg wieder begrüßen zu können.

Advertisements