Ein Lastwagen voller medizinischer Geräte, Möbel und Kleider ist auf dem Weg in die ukrainische Partnerstadt Simferopol

von Samuel Rieth

Morgens um acht ist er noch leer, der 36 Meter lange Lkw, der vor der alten Kinderklinik im Neuenheimer Feld geparkt hat. Doch bis zur Mittagszeit haben die Fahrer und freiwilligen Helfer den Berg von medizinischen Geräten und Möbeln auf der Ladefläche verstaut – die Fahrt kann losgehen. Ziel der Reise: die Kinderklinik in Simferopol auf der Krim, einer der sechs Partnerstädte Heidelbergs. Fünf Tage wird die Ladung für die rund zweieinhalbtausend Kilometer in den Süden der Ukraine brauchen.

Die Heidelberger Hilfe ist Teil eines Konvois von fünf Lkw, die von insgesamt sieben Fahrern nach Osteuropa gelenkt werden. Einer von ihnen ist Dick Nijssen, der 1999 zum ersten Mal in die Ukraine fuhr. „Dort sah ich die großen Probleme“, berichtet der Chef eines holländischen Transportunternehmens. Und er wollte helfen. Erst spendete er Diesel, dann setzte er sich selbst hinters Steuer.

Mit im Gepäck: Die offizielle Erlaubnis zum Befahren ukrainischer Straßen für die Lastwagen, denn ein Desaster wie beim letzten Mal soll sich nicht wiederholen. Schon Ende Mai machte sich nämlich eine Hilfsladung von Heidelberg auf den Weg nach Simferopol. Doch ihr Ziel erreichte sie nicht: Dem Technischen Hilfswerk als Transporteur fehlte eben dieses Dokument. Es blieb den Fahrern nichts anderes übrig, als an der Grenze kehrt zu machen.

Der Freundeskreis Heidelberg-Simferopol, der beide Hilfsaktionen organisiert hat, musste ein Transportunternehmen beauftragen, um die Ladung doch noch an ihren Bestimmungsort zu bringen, 4000 Euro hat dieser Plan B gekostet. Deswegen arbeitet er jetzt mit der Stiftung Holland-Ukraine zusammen, die seit 20 Jahren humanitäre Transporte nach Osteuropa schickt. Unterstützt wird die Hilfe außerdem von der Heidelberger Kinderklinik, der Manfred-Lautenschläger-Stiftung und dem Kinderhilfswerk Rolling Doctors.

Die Hilfe für Simferopol ist auf den Weg gebracht. Dabei waren Doris Verveur, stellvertretende Pflegedienstleiterin der Kinderklinik (li.), und Magdalena Melter (re.). Foto: Hentschel

Die Helfer wollen der Kinderklinik in Simferopol mehr als nur medizinisch unter die Arme greifen: Auch 70 Säcke voll mit Kleidern und Schuhen sind mit an Bord und andere, ganz alltägliche Dinge, an denen es oft am meisten fehlt: Matratzen, weil die alten durchgelegen sind,oder Nachttische, von denen es dort bis jetzt überhaupt keine gibt. Hier sind alle Überzeugungstäter: „Mir wurde es in die Wiege gelegt, Menschen helfen zu wollen”, sagt Magdalena Melter, die Vorsitzende des Freundeskreises. Auch die Fahrer setzen sich ehrenamtlich hinters Steuer. Der Einsatz ist aber nicht nur humanitär, sondern mit den Jahren auch persönlich geworden. „Das Herzstück sind private Kontakte”, so Melter. Die Helfer reisen selbst regelmäßig auf die Krim, zwei-, dreimal im Jahr, haben dort Freunde gefunden. „Und Freundinnen“, fügt Nijssen schmunzelnd hinzu.

Seit 1991 ist die Krim eine autonome Republik in der Ukraine, und im selben Jahr wurde die Hauptstadt Simferopol die fünfte Partnerstadt Heidelbergs. Reger Austausch soll die Städtefreundschaft lebendig halten. So hospitieren derzeit zwei Professorinnen der medizinischen Universität Simferopols in den Kliniken im Neuenheimer Feld. Und am 21. September reist eine offizielle Delegation der Stadt Heidelberg inklusive OB Eckart Würzner in die Partnerstadt.

Auch Magdalena Melter wird dann dabei sein. Und sie sagt: „Simferopol ist mir zur zweiten Heimat geworden.“

Quelle: http://www.rnz.de

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