Heidelberger Freundeskreis will an seinem Engagement auf der Krim festhalten – Einige Projekte mussten aber bereits beendet werden. Von Holger Buchwald

Auch nach dem Anschluss der Halbinsel Krim an die Russische Föderation möchte der Heidelberger Freundeskreis unbedingt an der Partnerschaft zu der Stadt Simferopol festhalten. „Da gibt es keine Änderungen. Die Menschen auf der Krim sind ja dieselben wie zuvor“, beteuerte Magdalena Melter, Vorsitzende des Freundeskreises, gestern auf Anfrage der RNZ: „Wir werden uns daher auch weiterhin dort engagieren.“

Die Situation ist trotzdem etwas schwieriger geworden für die Arbeit des Partnerschaftsvereins. Und das liegt nicht nur daran, dass Deutsche, die derzeit auf die Halbinsel fliegen wollen, nun ein russisches Visum benötigen und nicht mehr den direkten Weg über Kiew nehmen können. Auch das Heidelberg-Haus in Simferopol spürt schon die Auswirkungen der russischen Machtübernahme. In dem sozio-kulturellen Zentrum, das ursprünglich für ehemalige ukrainische Zwangsarbeiterinnen gegründet worden war, mussten drei Projekte abrupt beendet werden. Die Zuschüsse einer Stiftung in Kiew wurden wegen der aktuellen politischen Entwicklungen mit sofortiger Wirkung gestoppt.

Seit Jahren engagiert sich MLP-Gründer Manfred Lautenschläger (Mitte) für Hilfsprojekte in Simferopol. Hier informierte er sich im Juni letzten Jahres vor Ort mit Magdalena Melter (2.v.r.) und dem Ärztlichen Direktor des Krankenhaus Salem, Helmut Seitz (rechts), über den Zustand der Onkologischen Klinik in Simferopol. Foto: Holger Buchwald

Besonders schmerzt Melter, dass die praktischen Hilfen für die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen eingestellt werden mussten. „Dieses Projekt ist fünf Jahre lang gelaufen“, berichtet die Vorsitzende des Freundeskreises. Die Frauen erhielten psychische Betreuung, aber auch Unterstützung bei der Hausarbeit. Und nicht zuletzt wurden über das Projekt immer wieder verschiedene Treffen organisiert. Gerade die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen, die zuerst unter dem NS-Regime litten und später in der Sowjetunion als Kollaborateure verfolgt wurden, hätten diese Hilfe besonders verdient. Selbst die Gelder, die noch im Februar hätten fließen sollen, kamen wegen der Umwälzungen in der Ukraine nicht mehr bei den Betroffenen an.

In einer Geschichtswerkstatt verarbeiteten Jugendliche die Geschichte der Zwangsarbeiterinnen. Auch dieses Projekt kommt nun an kein Geld mehr aus Kiew. Das Gleiche gilt für die juristische Beratung für die älteren Damen. Ob all diese Aktionen wiederbelebt werden können, ist noch nicht absehbar.

Hoffnungsvoller äußert sich die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins zur Zusammenarbeit auf Ebene der Universitäten und der Kliniken. „Die Taurische Universität war immer eine russische Hochschule innerhalb der Ukraine“, sagt Melter. Dort ändere sich nichts. Und auch der medizinische Austausch werde weiterhin gepflegt. Allerdings verzögert sich der Zeitplan. Ausrangierte Geräte und Möbel aus der alten Frauen- und Hautklinik in Heidelberg sollten im kommenden April von Deutschland per Konvoi auf die Krim gebracht werden. Nun befürchtet Melter, dass es schwierig werden könnte, diesen Hilfstransport durch die Ukraine zu bringen. „Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie sich die Sache entwickelt.“ Derzeit sei auch noch nicht abzusehen, ob eine Delegation aus der Heidelberger Kinderklinik wie geplant im Oktober nach Simferopol fahren kann.

Melter selbst wird im kommenden Sommer für einige Wochen nach Simferopol fahren. Aber auch jetzt schon steht sie im regen Kontakt zu den Menschen in der Partnerstadt. „Viele Leute dort verstehen die Aufregung des Westens nicht“, gibt Melter die Einschätzung ihrer Ansprechpartner wider. Die Tataren seien zwar sehr zurückhaltend und sprächen von „Okkupation“. Die Russen, die die Mehrheit der Bevölkerung stellen, bezeichneten denselben Vorgang aber als „Befreiung“ und „Wiedervereinigung“. Ungeachtet dessen, was die Menschen von den Umwälzungen halten. Eines macht die Vereinsvorsitzende unmissverständlich klar: „Mir liegt es sehr am Herzen, dass die Freundschaft weitergeht.“

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