Ausstellung zum 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Simferopol

Von Werner Popanda
Magdalena Melter, Vorsitzende des Freundeskreises Heidelberg-Simferopol, nennt ihn den „Baumflüsterer“ – und das beschreibt Jurij Sacharow ziemlich gut. Der russische Holzbildhauer arbeitet ausschließlich mit Holz aus Baumfällaktionen, an der Schwarzmeerküste angeschwemmtem Holz und dem Holz umgestürzter Bäume. „Ich würde niemals frisches, noch lebendes Holz benutzen“, beteuert Sacharow. „Meine Aufgabe besteht darin, altem Holz neues Leben zu geben.“
Ab Samstag stellt Sacharow seine Werke zum zweiten Mal nach 2013 wieder im Stuhlmuseum aus – dieses Mal im Rahmen des 25. Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Heidelberg und Simferopol. Seit März 2014 ist die Krim – und damit auch Simferopol – nicht mehr Teil der Ukraine, sondern ein sogenanntes Föderationssubjekt Russlands. Hat sich diese Annexion auf Sacharows Schaffen ausgewirkt? „Nein“, antwortet er in dem von Melter übersetzten Gespräch, „für meine Arbeit hat sich nichts geändert.“ Doch seien die Krimbewohner schon isoliert. Davon kann auch Melter berichten, denn jene sechs Simferopoler, die zum Jubiläum nach Heidelberg kommen sollten, haben keine Visa bekommen. Sacharow hat es nur deshalb nach Heidelberg geschafft, weil er auch einen israelischen Pass besitzt. Für Melter ist er die „personifizierte Verkörperung“ der Städteverbindung.

Magdalena Melter vom Freundeskreis Heidelberg-Simferopol und Holzkünstler Jurij Sacharow freuen sich auf viele Gäste der Ausstellung im Stuhlmuseum in der Altstadt. Foto: pop

Magdalena Melter vom Freundeskreis Heidelberg-Simferopol und Holzkünstler Jurij Sacharow freuen sich auf viele Gäste der Ausstellung im Stuhlmuseum in der Altstadt. Foto: pop

Wie wäre es denn, wenn man an den Grenzen aller Länder die Schlagbäume niederreißen und ihm dieses Holz für seine Kunst zur Verfügung stellen würde? „Das wäre schön“, sagt er lächelnd. In seinen Werken sieht Sacharow auch einen Beitrag zur Befreiung der Menschen. Seine stets aus einem einzigen Stück herausgearbeiteten Objekte sind extrem feingliedrig und zart. Der Betrachter scheut sich fast, sie zu berühren. Dabei kann man auf einigen sogar sitzen.

„Holz ist die Verbindung der Erde mit dem Himmel“, meint Sacharow. Und Melter lobt, dass der Künstler auf eine Weise an das Holz herangehe, dass er heraushorche,
wo dessen Seele liege. Dabei bewegt er sich stets in den natürlichen Grenzen, die ihm durch das Material vorgegeben werden. Sacharow unterwirft sich gewissermaßen der Natur. Und er selbst sagt: „Ich möchte mit meiner Kunst auf dem kürzesten Weg ins Herz des Betrachters gelangen.“

Info: Verkaufsausstellung Holzkunstwerke von Jurij Sacharow, Stuhlmuseum, Plöck 16, bis 28. Oktober 2016. Die Vernissage ist am Samstag, 24. September, um 16 Uhr.

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